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Ü̲berschwung

der, -(e)s, Umlaut + -e

Schulterriemen bei Uniform und Bergmannskleidung


Wortart: Substantiv
Gebrauch: Österr. Standarddeutsch
Tags: veraltet
Kategorie: Kleidung
Erstellt von: Koschutnig
Erstellt am: 22.11.2017
Region: Klagenfurt(Stadt) (Kärnten)
Bekanntheit: 0%  
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Kommentare (1)


Freilich passiere es manchmal, dass ganz in den vordersten Gräben
Während des Trommelfeuers die Zufuhr tagelang aussetzt,
Aber da gelte es eben, den Überschwung enger zu schnallen
Und mit Soldatenhumor dem Hunger ein Schnippchen zu schlagen.
source: Anton Wildgans, Kirbisch oder Der Gendarm, die Schande und das Glück (1927), Projekt Gutenberg
Noch eine Viertelstunde, und er hörte von der Kaserne her den ersten ratternden Trommelwirbel der ausrückenden Musik. [...] Er gab Jacques Überschwung, Mütze und Handschuhe und ging ins Speisezimmer. Der Alte betrat es zu gleicher Zeit und lächelte dem Sohn zu.
source: Joseph Roth, Radetzkymarsch (1932), Projekt Gutenberg
Bei Gelegenheit dieser Besuche trug er noch immer seinen graugeschwänzten Lordsrock, darunter aber das Bajonettschwert an einem Überschwung, aus dem noch die gewichtige Sattelpistole hervorlugte
source: Franz Werfel, Die vierzig Tage des Musa Dagh (1933)
Unter dem Wandbrett zeigte sich [...] ein militärischer Gürtel, ein sogenannter ,Überschwung', mit einer schönen Kartentasche daran und einem Bajonett.
source: Heimito von Doderer, Die Dämonen (1956)
Der Überschwung, dem man bei bedeutenden österr. Literaten begegnet, war ursprünglich ein elegant wirkender handbreiter Tuch- oder Lederstreifen von der rechten Schulter hinunter über die linke Hüfte, verblieb im militärischen Sprachgebrauch als Kürzung für den späteren schmalen Überschwungriemen, zu dem sich der Überschwung entwickelt hatte und fand dann Verbreitung, wo immer einem in Österreich der schräge Schulterriemen auffiel - bis weit in Österreichs dramatische Zwischenkriegszeit:
Das bald massenweise getragene braune Hemd der Nazis diente zur Kennzeichnung Gleichgesinnter und vervielfachte ihre optische Wirkung bei Aufmärschen und gewaltsamen Aktionen. Es wurde zu schwarzen Hosen und mit einem "Überschwung" - so nannte man damals den Schulterriemen - getragen.
source: AEIOU - Austria-Forum

Koschutnig 22.11.2017



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Das Österreichische Volkswörterbuch ist ein Verzeichnis von österreichischen Wörtern. Als Volkswörterbuch stellt es nicht nur die Sprache der Bevölkerung dar, sondern bietet jedem die Option selbst mit zu machen. Momentan sind über 1400 Wörter im Wörterbuch zu finden und über 10.000 Wörter wurden schon eingetragen.

Österreichisches Deutsch bezeichnet die in Österreich gebräuchlichen sprachlichen Besonderheiten der deutschen Sprache und ihres Wortschatzes in der hochdeutschen Schriftsprache. Davon zu unterscheiden sind die in Österreich gebräuchlichen bairischen und alemannischen Dialekte.

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Einige Begriffe und zahlreiche Besonderheiten der Aussprache entstammen den in Österreich verbreiteten Mundarten und regionalen Dialekten, viele andere wurden nicht-deutschsprachigen Kronländern der Habsburgermonarchie entlehnt. Eine große Anzahl rechts- und verwaltungstechnischer Begriffe sowie grammatikalische Besonderheiten gehen auf das österreichische Amtsdeutsch im Habsburgerreich zurück.

Zusätzlich umfasst ein wichtiger Teil des speziell österreichischen Wortschatzes den kulinarischen Bereich.

Daneben gibt es in Österreich neben der hochsprachlichen Standardvarietät noch viele regionale Dialektformen, hier besonders bairische und alemannische Dialekte. Diese werden in der Umgangssprache häufig genutzt, finden aber keinen unmittelbaren Niederschlag in der Schriftsprache.